Die aus der Wüste kommen: Spinophorosaurus nigerensis & Co

Staatliches Naturhistorisches Museum eröffnet große Dinosaurier-Ausstellung

Fünf Dinosaurier-Skelette in Originalgröße, vier lebensechte Rekonstruktionen und unzählige Originalknochen ermöglichen ab dem 21. Oktober 2009 in Braunschweig eine Zeitreise ins Erdmittelalter. Genauer gesagt: In das Afrika des Erdmittelalters, das vor 170 Millionen Jahren nicht Afrika, sondern noch Teil des Süd-Kontinents Gondwana war. Das Staatliche Naturhistorische Museum zeigt bis zum 31. Januar 2010 seine große Ausstellung „Projekt Dino – Neu entdeckte Saurier aus Afrika“. Im Mittelpunkt stehen die Ergebnisse der abenteuerlichen Expeditionen, die Braunschweiger Wissenschaftler um Museumsdirektor Prof. Dr. Ulrich Joger in den Jahren 2005 bis 2008 viermal in die afrikanische Republik Niger führten.

Die Grabungen der Braunschweiger Wissenschaftler waren die ersten erfolgreichen deutschen Dinosaurier-Grabungen in Afrika seit fast 100 Jahren. Dafür zahlten sich alle Mühen gleich doppelt aus: Zunächst entdeckte das Team eine neue Dinosaurier-Gattung, die im September 2009 den Namen Spinophorosaurus nigerensis erhielt. Die „stacheltragende Echse aus Niger“, wie der Langhals-Dinosaurier auf deutsch heißt, war ein gut 14 m langer, 5 m hoher und 10 bis 15 t schwerer Pflanzenfresser. Die Entdeckung dieses Sauriers ist für die Wissenschaft besonders wichtig, weil er an der Basis des Stammbaums der Sauropoden steht, wie besondere Merkmale der Zähne den Forschern verrieten. Spinophorosaurus trägt somit dazu bei, Licht ins Dunkel der Entstehungsgeschichte der Langhals-Dinosaurier zu bringen. Zum Zweiten entdeckten die Braunschweiger Wissenschaftler nicht weit entfernt von der Fundstelle des neuen Sauropoden die versteinerten Spuren eines Raubsauriers, der bisher nur für Asien und Nordamerika nachgewiesen werden konnte – nicht jedoch für Afrika. Die Entdeckung der Spuren zwingt die Wissenschaft zum Umdenken: die Theorie, dass die Urkontinente Laurausia und Gondwana durch ein Meer getrennt waren, ist in Frage gestellt. Denn ohne eine Verbindung zwischen den Kontinenten hätte der Raubsaurier nicht von seiner Heimat Asien nach Afrika gelangen können.

„Unsere Ausstellung erzählt die ganze Geschichte eines Dinosauriers: von der Suche nach Fundstellen über die Entdeckung, Ausgrabung und Erforschung bis zur vollständigen Rekonstruktion. Wir möchten anschaulich erklären, wie man vom vermeintlichen Stein, der aus dem Wüstensand ragt, zum Dinosaurier kommt – denn leider liegen die Dinosaurier-Skelette nicht einfach vollständig erhalten und mit sorgfältig nummerierten Knochen unter der Erde und rufen „Hallo, hier bin ich, grab mich aus “, erklärt Prof. Joger. Ganz im Gegenteil: Bis das vollständige Skelett eines Dinosauriers erstmals präsentiert werden kann, vergeht viel Zeit … mit viel Arbeit. Oft werden nur einzelne Knochen gefunden, die nicht genügend Rückschlüsse auf den ganzen Saurier erlauben. Das ein Skelett mit 60 % der Knochen gefunden wird wie im Fall von Spinophorosaurus nigerensis, ist eher eine Ausnahme. Und auch in so einem seltenen Glücksfall muss noch viel Arbeit investiert werden, bis man die Gestalt des neuen Dinosauriers kennt. Nicht nur müssen die fehlenden Knochen rekonstruiert werden, auch die vorhandenen Knochen benötigen eine digitale Nachbearbeitung, da sie oft durch das Gewicht des über Millionen von Jahren auf ihnen lastenden Gesteins verformt sind. Auch warten die Knochen nicht in ihrer anatomisch korrekten Anordnung auf ihre Entdeckung – welch ein Knochenpuzzle die Forscher erwartet, wenn sie überhaupt das Glück haben, ein gut erhaltenes Dinosaurier-Skelett zu finden, dokumentiert die Ausstellung anhand von zwei nachgestellten Fundstellen. Die originalen Knochen des neu entdeckten Spinophorosaurus nigerensis und einer Jobaria tiguidensis, die die Braunschweiger Wissenschaftler ebenfalls ausgraben und mit nach Deutschland nehmen durften, wurden in der Ausstellung so angeordnet, wie die Forscher sie in der Republik Niger gefunden haben. „Für den Besucher besonders spannend: er kann jeden einzelnen Schritt unserer mühevollen und oft abenteuerlichen Expeditionen live nachempfinden. Alle Reisen nach Niger wurden filmisch dokumentiert, daher konnten wir ein Dino-Kino in die Ausstellung integrieren, in dem eine halbstündige Dokumentation unserer Grabungen gezeigt wird“, erläutert Prof. Joger.

Aufgrund der Größe der Objekte wird die Ausstellung nicht im Staatlichen Naturhistorischen Museum selbst, sondern in einer großen Halle auf dem benachbarten Gelände der Rebenpark GmbH präsentiert. Um den Besuchern die Wegeführung zu erleichtern, wurden Aufkleber in Form von Raubsaurier-Spuren auf den Fußwegen vom Museum zum Rebenpark angebracht.

Die Ausstellung „Projekt Dino – Neu entdeckte Saurier aus Afrika“ steht unter der Schirmherrschaft des Niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff und wird am 20. Oktober in seiner Anwesenheit feierlich eröffnet.


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Staatliches Naturhistorisches Museum Braunschweig